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Marion7
Anmeldedatum: 12.11.2007 Beiträge: 53 Wohnort: Bayern
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Verfasst am: 18.11.2007, 15:29 Titel: Sterbehilfe/ Sterbebegleitung |
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Also, mich würde mal interessieren wie andere Menschen so über ihr Umfeld denken, wenn sie gerade einen lieben Menschen "am verlieren" sind.
Da gibts zum Beispiel gute Freunde, die einem sagen: "Na, hoffentlich hat sie`s bald hinter sich und ist erlöst....
Hallo, ich hab gedacht ich hab mich verhört.
Meine Mutter hat zwar Krebs im Endstadium und wird dadurch letztendlich in den nächsten Wochen versterben.... - aber niemand wird ihr das Recht absprechen können jeden Tag in Würde verleben zu dürfen ,oder?
Ich sag mal so:
Als mein Vater verstarb, ich war 14, dachte ich immer so für mich:
Warum wird er nicht erlöst? - Er lag in so einer Art Wachkoma (mehr wußte man damals nicht) und ein Arzt sagte damals in seinem Beisein:
Er kann uns nicht mehr sehen und hören. (Dies wurde noch medizinisch erklärt und erläutert)
Damals konnte ich eine Träne "runterkullern" sehen. Ich war Kind, und doch glaubte ich zu fühlen - er spürt uns. Vielleicht hört er doch etwas und bekommt jetzt alles um sich herum mit?.....
Jahrelang war ich der Meinung, man dürfe Menschen nicht so leiden lassen. Man soll sie liebevoll einschlafen lassen. Ohne groß zu hinterfragen glaubte ich, dass eine aktive Sterbehilfe die Lösung wäre.
Doch jetzt, wo ich seit 9 Monaten den Überlebenskampf meiner Mutter mitverfolge, mitkämpfte, mitweinte und mitlachte, ...
sehe ich, wie meine Mutter das Leben liebt, sie gerne weiterleben möchte...
Ich glaube wir müssen alle lernen, das wir das Sterben "umgestalten" müssen...
bessere Schmerztherapien, mehr Hospize, mehr Informationen und Seminare, Weiterbildungen für Personal und viel mehr Aufklärung über das Sterben und den Tod |
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Peter S
Anmeldedatum: 12.02.2008 Beiträge: 12 Wohnort: Wernigerode /Harz
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Verfasst am: 20.02.2008, 13:40 Titel: |
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Liebe Marion,
dein Beitrag hat meinen Denkhorizont erweitert. Ich weiß zwar als Hospizmitarbeiter und Notfallseelsorger, dass in Notsituationen jeder dass tun soll, was ihm gut tut, aber durch Tanatologie, Elisabeth Kübler Ross, Bernhard Jakobi und ein eigenes Tunnel-Licht Erlebniss bei einer OP habe ich so tolle Vorstellungen über dass, was da kommt, dass ich dies kämpfen am Lebensende nicht so sehr bejahen kann wie du. Habe aber durch dich jetzt etwas mehr Verständniss und solche Sätze :Hoffentlich hat ers endlich geschafft ers endlich geschaft ermöglichen kein Leben bis zum Schluß, wie wir es im Hospiz versuchen zu verwirklichen.
Wichtig ist wohl, dass wir in solchen Lebensphasen weder erregt noch verkrampft und vorallem nicht unecht sind. ( MARC AUrell )
Gute Grüße Peter _________________ Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, dann werden die Menschen wirklich Frieden haben (Jimmi Henrdix ) |
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anny Moderator
Anmeldedatum: 11.09.2006 Beiträge: 501 Wohnort: zuhause :-)
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Verfasst am: 20.02.2008, 15:37 Titel: |
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Hallo Peter,
| Zitat: | | Wichtig ist wohl, dass wir in solchen Lebensphasen weder erregt noch verkrampft und vorallem nicht unecht sind. ( MARC AUrell ) |
das gilt für mich für BEIDE Seiten,für den Sterbenden und für den der diesen Mensch gehen läßt.
Nur,ist es immer so einfach genau das zu tun......NEIN.
Der Sterbende befindet sich bereits auf einer etwas höheren Bewußtseinsstufe,er sieht es nicht mehr so wie der Angehörige der an seinem Bett sitzt,seine Hand hält,seine Tränen verkrampft zurückhält.....der Angehörige der glaubt in seinem Schmerz umkommen zu müssen.....weil er dieses Sterben einfach aus einer ganz anderen Sicht präsentiert bekommt.
Er sieht das was der *Körper* macht,er bäumt sich auf,er schwitzt,er röchelt,er schreit,windet sich vor Schmerzen....uvm.
Auch wenn viele Angehörige um einen Sterbenden versammelt sind,sieht jeder Einzelne etwas anderes,genauso empfindet jeder dieser Menschen anders.
Ein Sterben,dass von einem Menschen als leicht beschrieben wird,kann für einen anderen ein langer Kampf gewesen sein.....weil er es so empfindet.......
Ich denke einfach,dass geschieht dadurch das wir einzigartig sind,jeder für sich.......du sagtest ja...jeder sollte das tun was ihm gut tut.
Das heißt auch,ich darf gehen wenn ich es nicht mehr aushalte......auch wenn es aus der Sicht eines Anderen mit Kopfschütteln kommentiert wird.
Er sieht es ja nicht was ich sehe und er empfindet ja nicht was ich empfinde.
liebe Grüße
anny _________________ Der Tod ist schrecklich oder kann schrecklich sein fürden Menschen, solange er im Leben weilt.Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes gegangen ist und wenn er auf den Tod zurückblickt,dann sieht er ihn als das wundervollste Erlebnis ..... |
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Jutta Moderator
Anmeldedatum: 14.08.2006 Beiträge: 163 Wohnort: bei Sindelfingen
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Verfasst am: 20.02.2008, 16:26 Titel: |
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Also ich will mal versuchen meine Sichtweise zu erklären, zum einen als Sterbebegleiterin und zum anderen weil meine Mutter vor ein paar Wochen (mein Gott sind es schon wieder Wochen) gestorben ist.
Als Sterbebegleiterin hat man natürlich eine ganz andere Sichtweise als wenn man einen lieben Angehörigen begleitet.
Meine Mutter hatte eigentlich zum Schluß im ganzen Körper Krebs, der Haupttumor saß in der Leber, seit 7 Jahren. Man muß dazu sagen, das dieser Krebs für meine Mutter nicht existiert hat, er ineressierte sie nicht, solange sie ein normales Leben leben konnte.
Zum Schluss sagen wir in den letzten 6 Wochen kam sie in ein Hospiz, meine Schwester und ich waren täglich bei ihr, ich vormittags meine Schwester nachmittags, am Wochenende beide ganztags. Wir hatten das Glück, das wir dies ermöglichen konnten, trotz unserer Arbeit, dieses Glück hat nicht jeder.
Meine Mutter war also ausser in der Nacht, wir brachten sie immer nach dem Abensessen zu Bett, nie alleine, zumal die Pflegekräfte dort wunderbar waren.
Schmerzen hatte sie nur in den letzten 4 Wochen, da bekam sie dann Morphin, nach bedarf, so das sie eigentlich schmerzfrei war.
Bereits Jahre davor war es bei uns kein Tabuthema über den Tod, über eventuell lange leiden, zu sprechen, so wußten wir, das meine Mutter nicht unnötig leiden wollte.
Was habe wir also getan; Wir haben ihr täglich ihr Essen gegeben mit viel Geduld, zum Ende zu, teilweise nur Suppe. Als sie auch das nicht mehr wollte, haben wir versucht ihr soviel wie möglich zu trinken zu geben, aber immer ohne Zwang, als auch das nicht mehr ging, bekam sie eine Infusion, nur für den Flüßigkeitshaushalt und sie bekam Schmerzmittel soviel das sie zu keiner Zeit Schmerzen hatte. An den letzten Tagen bekam sie 41 Grad Fieber, wir machten Wadenwickel, wir legten feuchte Tücher auf ihre Stirn, wir waren nun immer bei ihr, sie war eigentlich nicht alleine. Wir sagten ihr, das sie gehen kann wenn sie möchte, wir werden es aushalten. Sie sagte auch oft: wie lange dauert es noch ! Wir sagten wir wissen es nicht, aber wir werden dasein.
Sie starb in der Nacht im schlaf.
Für uns war wichtig, das sie bei einem Herzstillstand nicht mehr zurückgeholt wird. Das sie trotz hohem Fieber nicht mehr ins Krankenhaus muß. Das wenn die Zeit gekommen ist und sie nicht mehr essen möchte das akzeptiert wird.
Wir denken, das es so richtig war, wir haben nichts verlängert was das Leid nur verzögert hätte. Sie ist ihren Weg gegangen, so wie wir alle eines Tages diesen Weg gehen werden, wichtig ist die Begleitung, unser dasein für Sterbende. Niemand sollte alleine sein und wenn er alleine sein möchte in der Stunde des Todes, so wird er sich diese Zeit aussuchen.
Das gleiche mache ich als Sterbebegleiterin, nur habe ich natürlich nicht diesen ganz persönlichen Schmerz zu tragen, den man bei einem lieben Angehörigen hat. Ich habe auch meinen Vater und meine Schwester begleitet.
Auch versuche ich den Angehörigen des Sterbenden beizustehen auszuhalten ohne unbedingt noch einmal schnell den Notarzt zu holen, wenn ein ganz natürlicher Sterbeprozess begonnen hat.
Natürlich muß man bei jedem einzelnen abschätzen in wie weit ist hier noch zu helfen, aber oft eigentlich fast immer, können uns die Sterbenden zeigen was sie möchten. Das ist wie die von Kübler Ross beschriebene Nonverbale Sprache.
Menschen die im Koma liegen bekommen sehr wohl mit, was um sie herum passiert, sie spüren die Anwesenheit ihrer Lieben, sie hören und riechen, nur sie äussern sich nicht mehr dazu, ausser auch hier die Nonverbale Sprache, dazu gehört auch eine Träne die an der Wange entlang läuft.
So wie jeder Mensch individuell sein Leben lebt, so wird er auch seinen ganz persönlichen Tod sterben, schön ist es, wenn jemand da ist, der einem die Hand hält.
Es gibt Gott sei Dank viele wunderbare ehrenamtliche Sterbebegleiter, sehr wichtige Menschen, die durch die Begleitung anderer, ihre eigene Angst vor dem Tod überwinden. _________________ Es gibt ein Land der Lebenden und ein Land der Toten, dazwischen befindet sich eine Brücke, die Brücke der Liebe.
Leben endet Liebe nie
Gruß Jutta |
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Marion7
Anmeldedatum: 12.11.2007 Beiträge: 53 Wohnort: Bayern
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Verfasst am: 05.03.2008, 06:56 Titel: |
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Hallo Jutta,
lange war ich nicht mehr hier im Forum... zu groß war mein Schmerz durch den Verlust meiner Mutter...
Heute, als ich deinen Beitrag las, liefen mir unaufhörlich die Tränen....
so hat mich Dein Beitrag berührt... ich sah mich in Deinen Zeilen wieder...so merkte ich auch, daß das was war, noch lange nicht verarbeitet ist... zu schwer waren für mich die letzten Wochen und Monate...
3 Monate ist es jetzt schon her... ich denke jeden Tag an "sie"....
hoffe und wünsche mir, das ich alles "richtig" gemacht habe und das es ihr jetzt besser geht... denke viel darüber nach, ob sie mich wohl "sehen" kann und wie sie dort oben (oder eher drüben) meine Vater wiedergetroffen hat, der ja leider auch schon so früh von uns gehen mußte...
Wenn ich nen Wunsch frei hätte, würde ich gerne "nachsehen" können was beide wohl jetzt so "machen"...
Alles läuft so normal weiter... wie wenn nichts gewesen wäre...ich denke und grüble manchmal darüber nach, welche Spuren wir denn hinterlassen haben...wenn wir mal gegangen sind...
Ich versuche meine Trauer jedenfalls nicht zu verdrängen... auch wenn ich festgestellt habe, dass so unglaublich viele Menschen mit dem Tod nach wie vor nicht umgehen können....mich hat das jedenfalls weiter bestärkt mich in naher Zukunft ehrenamtlich weiter damit zu beschäftigen...
War zwar nicht so leicht für mich Weihnachten mit all den alten Menschen im Pflegeheim "Weihnachten zu feiern", aber ich dachte mir, wenn Mama bis Weihnachten noch gelebt hätte, wäre sie auch in dieser Runde gesessen...und wäre glücklich gewesen...als ich mit einer Schwester alleine mehrere Weihnachtslieder sang, dachte ich durchweg nur an sie...nach der Feier konnte ich so viele leuchtende Augenpaare sehen... das war ein so unglaubliches Gefühl wie sich diese alten und einsamen Menschen bei mir bedankten.... ich war 1 Stunde da...
Bestärkt durch solche Erlebnisse werde ich wenn ich mehr Kraft getankt habe mich an meine Hospizausbildung "heranwagen"...vielleicht könnt ihr mir ja dann ein paar nützliche Informationen geben?....
Danke fürs "Zuhören" und liebe Grüße
Marion _________________ Lebe den Tag!!! |
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anny Moderator
Anmeldedatum: 11.09.2006 Beiträge: 501 Wohnort: zuhause :-)
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Verfasst am: 07.03.2008, 08:36 Titel: |
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Hallo Marion,
welche Spuren werden wir hinterlassen,wenn wir eines Tages unseren Körper ablegen......Spuren die ähnlich sind wie *Spuren im Sand*.
Irgendwann wird der Wind darüber wehen und sie sind nicht mehr zu sehen.
Wenn ich an meine Großmutter denke,fällt mir kaum etwas ein,ich kannte sie kaum...geschweige denn die Urgroßeltern.
Also was ist von meinem Urgroßeltern geblieben,ein Name,ein Datum,geboren,gestorben.....mehr nicht.
Nur ist es wirklich relevant was von uns übrig bleibt........ich denke nein.
Wir waren schon so oft auf dieser Welt und immer wieder begann ein neuer Abschnitt und so wird es weiter geschehen.
Ohne Erinnerungen an unsere frühere Leben und ohne Spuren im Sand.
Endlos ?! ..... bis wir eines Tages nicht mehr inkarnieren.
liebe Grüße
anny _________________ Der Tod ist schrecklich oder kann schrecklich sein fürden Menschen, solange er im Leben weilt.Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes gegangen ist und wenn er auf den Tod zurückblickt,dann sieht er ihn als das wundervollste Erlebnis ..... |
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Marion7
Anmeldedatum: 12.11.2007 Beiträge: 53 Wohnort: Bayern
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Verfasst am: 19.03.2010, 06:13 Titel: |
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Heute ist ein besonderer Tag.....
Meine über alles geliebte Mutter wäre heute 70 geworden....
wie sehr hätte es mich gefreut mit ihr gemeinsam den Tag zu erleben....
in Gedanken bin ich heute bei ihr....
Meine Hospiz-Ausbildung ist seit dem letzten Sommer beendet....
meine erste Begleitung habe ich seit Jahresbeginn...
viele Gefühle und Gedanken begleiten mich seit dieser Entscheidung, Hospizbegleiterin zu werden....
das größte Gefühl jedoch von allen ist, dass ich weiß das Richtige getan zu haben....es ist ein Bereicherung für schwerstkranke Menschen da sein zu können und mit Ihnen ein Stück Ihres Weges gemeinsam zu gehen....
Da es für mich wie eine Berufung ist, dieses zu tun, fühle ich mich am heutigen Tag besonders bestärkt diesen Weg weiterzugehen....durch den viel zu frühen Tod meines Vaters und auch der meiner Mutter, und trotz des tiefen Verlustes und der damit verbundenen seelischen Schmerzen ,
ist es ein unglaublich befriedigendes Gefühl, anderen schwerkranken Menschen helfen zu können, sie begleiten zu dürfen...
Marion _________________ Lebe den Tag!!! |
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